Krise können: Transparenz beruhigt das eigene Gewissen und nicht die Lage (#86)
Shownotes
In der Krise kommt der Reflex fast automatisch: Wir müssen jetzt transparent sein. Alles offenlegen. Alles erklären. Nichts zurückhalten. Doch genau das kann gefährlich werden. Denn jede Information, die einmal öffentlich ist, entwickelt ein Eigenleben. Sie wird aus dem Kontext gerissen, bewertet, weitergedreht – und möglicherweise gegen das Unternehmen verwendet. Wer Transparenz mit Kontrolle verwechselt, riskiert deshalb genau das, was in der Krise besonders wichtig ist: die Deutungshoheit. In dieser Folge von „Krise können“ erklärt Dr. Thorsten Klein, warum totale Transparenz kein Schutzschild ist, weshalb Öffentlichkeit als Verstärker wirkt und warum Krisenkommunikation stattdessen kontrollierte Offenheit braucht. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Was dürfen wir sagen? Sondern vor allem: Was dürfen wir jetzt noch nicht sagen? Denn in der Krise zählt nicht maximale Offenheit. Es zählt, welche Wirkung Kommunikation entfaltet.
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00:00:02: Redest du noch oder wirkst Du schon?
00:00:04: Ich bin Thorsten, Krisenmanager und Kommunikationsexperte.
00:00:08: Herzlich Willkommen zu Kommunikation Macht Einfluss!
00:00:12: Der Podcast für alle die nicht länger drumrum reden möchten.
00:00:17: deshalb keine Show kein Plabla.
00:00:20: los geht's.
00:00:23: Zu meiner Zeit in der Staatskanzlei hatte ich im Büro als Regierungssprecher eine ganze Seite aus der Wochenzeitung Die Zeit hängen.
00:00:34: Und es ging um den Gastbeitrag eines chinesischen Philosophen und du wirst mir verzeihen, dass ich den Namen jetzt nicht ausspreche aber es geht um das was über dem Text stand nämlich transparent ist nur das Tote.
00:00:52: an diese Überschrift erinnere ich mich immer noch und will in dieser Folge von Kommunikation macht Einfluss aufräumen mit Etwas wovon wir immer glauben, dass es sein muss.
00:01:06: Nämlich Transparenz.
00:01:09: und warum's überschätzt wird!
00:01:12: Wir steigen ein im Krisenmanagement.
00:01:15: Die Grieße ist öffentlich die Forderungen werden lauter und es kommt dann der Reflex.
00:01:19: Wir müssen jetzt transparent werden.
00:01:21: Gemeint ist an alles offen liegen.
00:01:23: Alles erklären nichts zurückhalten.
00:01:28: Transparens wird aber in der Krise oft mit Kontrolle verwechselt Und deshalb ist für mich eine zentrale These dieser Episode Transparenz beruhigt das eigene Gewissen, aber selten die Lage.
00:01:45: Die Lage ist möglich und das was wir in der Krisenkommunikation oder im Krisenmanagement nennen mit.
00:01:52: Wir müssen die Situation immer wieder neu bewerten.
00:01:55: Es gibt neue Infos also muss man zur Situation neu bewerten.
00:02:03: Der Denkfehler hinter diesem Transparenzreflex ist, dass sich Transparens ehrlich anfühlt und Ehrlichkeit fühlt sich sicher an.
00:02:14: Und Sicherheit wird jetzt erwartet!
00:02:18: Die Realität ist aber eine andere, denn Transparents erzeugt neue Fragen, neue Bewertungen, neue Angriffspunkte.
00:02:27: Das ist immer so.
00:02:29: Jede Information, die ich preisgebe lebt ein eigenes öffentliches Leben.
00:02:36: Alles was sich rausgeben wird hinterfragt und auf die Frage kommt die nächste Frage und die nächste Fragen ist die Gegenfrage.
00:02:43: Jede Informationen lebt ihr eigenes öffentliches Leben.
00:02:48: Warum Transparenz in der Krise gerne mal zur Eskalation beiträgt hat mit der Wirkungslogik zu tun?
00:02:57: Informationen werden nämlich Außenkontext gerissen, emotional bewertet und strategisch genutzt.
00:03:04: Wir werden ja in solchen Situationen nicht nur Freunde haben.
00:03:08: also welche Informationen die wir wegen der Transparenz preisgegeben haben kann denn ein Stakeholder gegen uns verwenden?
00:03:17: und wir müssen uns immer vor Augen halten dass die Öffentlichkeit kein neutraler Raum ist sondern sie ist ein Verstärker.
00:03:28: Transparens gibt Kontrolle ab und zwar an Menschen, die keine Verantwortung tragen.
00:03:35: Alles was wir preisgeben geben wir damit anderen in die Hände und wir, die die Verantwortung haben sind plötzlich raus aus dieser Verantwortung Und können sie nicht mehr so tragen wie wir es tun müssten.
00:03:53: Ich habe mir mal überlegt Was sind denn so die drei gefährlichsten Irrtümer?
00:03:58: Über Transparenz?
00:04:01: Erstens, der Turm lautet Wenn wir alles sagen hört der Druck auf.
00:04:09: Das ist falsch!
00:04:11: Der Druck verlagert sich nur.
00:04:14: Zweitens Transparenz schafft Vertrauen das stimmt aber nur dann wenn sie kontrolliert ist.
00:04:25: und drittens Wir haben nichts zu verbergen.
00:04:30: Darum geht es auch nicht sondern es geht um die Wirkung.
00:04:34: Welche Wirkung entfalte ich denn mit dieser Transparenz?
00:04:39: Der eigentliche Schaden, der dann passiert ist uns geht die Deutungshoheit verloren und Deutungsohnheit verloren bedeutet Ich bin nicht mehr derjenige, der das Thema vorgibt dabei ist dass unsere ureigene Intention in einem Krisenmanagement nämlich die Deutsungshohe zu erlangen.
00:05:03: Wenn ich die totale Transparenz leben will, dann werden Aussagen gegeneinander gestellt.
00:05:11: Und heutzutage nicht mehr nur von Journalisten sondern auch von Bloggern oder von dem Autonomalferbraucher in Social Media.
00:05:22: Widersprüche entstehen dadurch zwangsläufig und wir erreichen das Gegenteil von dem was wir eigentlich erreichen wollten.
00:05:32: Nicht das Ereignis, beschädigt das Vertrauen sondern widersprüchliche Transparenz.
00:05:41: Was Transparens in der Krise nicht leisten kann ist sie ersetzt keine Entscheidung und sie schafft auch keine Ordnung und sie begrenzt auch nicht eine Eskalation.
00:05:57: Transparemt ist in einer Krisenkommunikation ein Werkzeug, ein Wert aber kein Ziel an sich.
00:06:07: Was wir stattdessen in einer krisenden Situation brauchen, ist eine selektive Information.
00:06:16: Wir müssen genau auswählen welche Informationen soll zu welchem Zeitpunkt an welchen Empfängerkreis gehen?
00:06:25: Wir brauchen zeitlich gesteuerte Aussagen.
00:06:28: wann geht denn welche Aussage an wehen?
00:06:35: klare Grenzen, wir brauchen klare Sprachgrenzen und da wiederum ist die Strategie so wichtig.
00:06:44: Dazu gibt es eine eigene Episode.
00:06:46: bei Kommunikation macht Einfluss wie wichtig die Strategies für alles das ist was in einer Krisensituation passiert Und was stattdessen gebraucht wird ist eine kontrollierte Offenheit.
00:07:01: Es ist nicht die totale Transparenz Offenheit diesen solchen Situationen braucht.
00:07:08: In der Krise zählt nämlich nicht was wahr ist, sondern was wirkt?
00:07:15: Das hat sich in der Krisenkommunikation grundlegend verändert.
00:07:21: Entscheidend ist nämlich nicht mehr die Faktenlage, sondern entscheidend ist die Wahrnehmung und zur Wahrnehnung zählt auch die Wahrheit das Nicht-Das-Wahre Wichtig ist, sondern das was wirkt.
00:07:41: Das was ich als Impuls mit dieser Episode mitgeben will, ist dass du dich nicht fragst, was dürfen wir denn sagen?
00:07:50: Sondern dass du die fragst.
00:07:52: Was dürfen wir jetzt noch nicht sagen?
00:07:58: und für genau solche Fragen gibt es Krisenkommunikatoren Die in der Lage sind aufgrund auch ihrer Erfahrung die Transparenzreflexe so einzuordnen, dass du weißt wann es gefährlich wird.
00:08:15: Der in der Lage ist die Öffentlichkeit bewerten zu können, der die Mechanismen kennt was in der Öffentlichkeit passiert.
00:08:24: Das Paket in der öffnlichkeit ist ein glattes und der weiß das Wirkung wichtiger ist als Offenheit.
00:08:34: Das ist auch genau mein Anspruch wenn ich selbst in Krisen Managements gehen, nämlich die Kontrolle zu erlangen und zu behalten.
00:08:43: Schaden zu begrenzen.
00:08:44: wir werden die Weste nicht weiß behalten aber sollten zusehen dass sie nicht ganz dreckig wird Und wir müssen vertrauen schützen denn Vertrauen ist in solchen Situationen eine Messlatte.
00:09:00: Ich will zur totalen Transparenz und den Transparens Reflex noch eines mitgeben aus meiner Zeit der politischen Kommunikation.
00:09:10: In dieser Zeit, als ich in der Staatskanzlei des Saarlandes als Regierungsprecher gearbeitet habe gab es für einen kurzen Zeitraum eine Partei.
00:09:20: die hatte sich der totalen Transparenz verschrieben.
00:09:25: Du wirst dich vielleicht erinnern das waren die Piraten.
00:09:27: die haben mit alledem was sie tun wollten genau fünf Jahre ausgehalten und sind dann zuerst Nachdem sie in alle Landes-Länderparlamente eingezogen waren, wieder rausgeflogen nach einer Legislatur.
00:09:40: Die totale Transparenz es gibt sie nicht!
00:09:43: Wir brauchen auch weiterhin geschützte Räume und fürs Krisenkommunikationsszenario gilt.
00:09:51: Und das will ich dir insbesondere mitgeben.
00:09:55: Vorsicht vor dem Druckschluss.
00:09:57: Transparens ist kein Schutzschild.
00:10:01: Sie isst ein Risiko wenn sie unkontrolliert eingesetzt wird.
00:10:08: In diesem Sinne, viel Freude beim Transparenzdenken!
00:10:35: Klub.
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