Krise können: Wahr ist, was für wahr gehalten wird. (#89)

Shownotes

Die Fakten liegen auf dem Tisch. Intern ist die Sache klar. Und trotzdem kippt draußen die Stimmung. Dann fällt häufig dieser Satz: „Aber das sind doch nicht die Fakten!“ Stimmt. Nur hilft das in der Krise oft erstaunlich wenig. Denn Öffentlichkeit reagiert nicht allein auf Wahrheit, sondern auf Wahrnehmung. Was plausibel erscheint, wird für wahr gehalten. Was oft genug wiederholt wird, entfaltet Wirkung. Und was sich einmal als Erzählung festgesetzt hat, lässt sich nur schwer wieder einfangen. Im sechsten und letzten Teil von „Krise können“ zeigt Dr. Thorsten Klein, warum Emotionen Fakten schlagen können, welche Rolle klassische und soziale Medien dabei spielen und weshalb mehr Informationen nicht automatisch mehr Klarheit schaffen. Es geht um Deutungslücken, plausible Erzählungen und einen der gefährlichsten Irrtümer in der Krisenkommunikation: den Glauben, man müsse nur genug erklären. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Was ist wahr? Sondern: Was wird gerade für wahr gehalten? Denn Wahrheit allein schützt nicht vor einer Krise. Wahrnehmung entscheidet über ihren Verlauf.

Transkript anzeigen

00:00:02: Bredest du noch oder wirkst Du schon?

00:00:04: Ich bin Thorsten, Krisenmanager und Kommunikationsexperte.

00:00:08: Herzlich Willkommen zu Kommunikation Macht Einfluss!

00:00:12: Der Podcast für alle die nicht länger drumrum reden möchten.

00:00:17: Deshalb keine Show kein Plabla los geht's.

00:00:23: Die normative Kraft des Faktischen oder warum in der Krise nicht die Wahrheit entscheidend sondern das was wahrgenommen wird.

00:00:35: Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von Kommunikation Macht Einfluss in der Krise!

00:00:42: Wir sind mitten im Krisenquartal drei, in diesem Quartal geht es um alles rund um Krisen und ich will dir in dieser Folge mitgeben was in einer Krise wir als die eigenen Gesetzmäßigkeiten Bezeichnen.

00:01:06: Und dazu versetzen wir uns mal in die Lage, nämlich die Fakten liegen auf dem Tisch.

00:01:11: intern ist vieles klar und trotzdem kippt da draußen irgendwie die Stimmung.

00:01:17: Die Intern eskaliert deshalb.

00:01:20: Die Debatte ist wächst der Druck sich zu äußern und der Satz der dann reflexhaft immer wieder fällt ist aber das sind doch nicht die Fakten stimmt denn In der Krise zählen nicht die Fakten, sondern das was als Fakt gilt.

00:01:40: Ich will deshalb in dieser Episode eine zentrale These aufstellen, die da lautet Die Öffentlichkeit reagiert nicht auf Wahrheit, sondern auf Wahrnehmung und Wahrneemungen folgt eigenen Regeln.

00:01:58: um die wird es jetzt gehen.

00:02:02: die normative Kraft des Faktischen einfach erklärt ohne Theorie, ohne Soziologie ist?

00:02:10: Ganz einfach.

00:02:11: Nämlich was als Tatsach wahrgenommen wird entfaltet Wirkung und zwar unabhängig davon ob es objektiv stimmt oder nicht.

00:02:23: Was für Wahr gehalten wird wirkt wie Ware.

00:02:29: das muss man sich auf der Zunge vergehen lassen.

00:02:33: wird wie wahr.

00:02:38: Warum man gegen Medien keine Krisen gewinnen kann, hängt damit zusammen dass genau diese Medien und zwar unabhängig davon ob es die klassischen sind oder soziale Medien in jeder Krise diese Wahrnehmung herstellen und zwar nicht mit dem Fokus auf Wahrheit, sondern Medien verstärken das was gesagt wird.

00:03:14: Also die sind quasi wie ein Lautsprecher.

00:03:17: sie erzeugen Entscheidungstruck Handlungsdruck und Erwartungsdruck.

00:03:23: Das ist die Rolle von Medien in einer Krise Und zwar nicht aus Bosheit Sondern weil systemisch so gewachsen.

00:03:33: Anführungszeichen waren die klassischen Medien, die vierte Staatsgewalt.

00:03:41: Heute gibt es Diskussionen in der Medienwissenschaft darüber ob Social Media, die vermeintliche Schwarmintelligenz, die fünfte Gewalt darstellt.

00:03:50: Ich sehe das anders unabhängig davon, ob stimmt oder nicht.

00:03:55: wir sind mit dieser Medienwelt heute nun mal konfrontiert Und wir müssen uns deshalb damit auseinandersetzen, warum Emotionen Fakten schlagen.

00:04:08: Und zwar aus folgenden Gründen.

00:04:11: Medien verstärken Angst.

00:04:14: Angst sucht einfache Deutungen.

00:04:19: Komplexität wird reduziert und Inhalte verdichtet.

00:04:25: Emotion sind in der Krise deshalb anschlussfähiger als die eigentlichen Fakte.

00:04:35: Das erleben wir in der politischen Diskussion an den Rändern Tag für Tag.

00:04:43: Der gefährlichste Irrtum von Entscheidern, von Führungskräften in der Krisenkommunikation die ich bislang so miterleben durfte... ...der gefährlichsten Irrturm ist zu glauben man müsse nur genug erklären Oder alle Informationen einfach offenlegen, alles auf den Tisch werfen und jeder kann dann quasi für sich sortieren.

00:05:13: Du wirst schon merken was jetzt kommt.

00:05:16: die Realität sieht natürlich anders aus!

00:05:19: Mehr Fakten heißt mehr Interpretationsspielraum, mehr Details heißt mehr Angriffsfläche.

00:05:26: Deshalb ist ganz genau abzuwägen wann sage ich wem wie viel wo von?

00:05:34: Und es gilt die Faustregel, alles was ich sage muss wahr sein.

00:05:40: Aber nicht alles was war ist, muss sich auch sagen.

00:05:46: Da ein Verstärker in der Krisenkommunikation Journalisten sind will ich ganz kurz auf die Rolle von Journalisten in der Krise eingehen und wichtig ist mir dabei kein Medienbashing zu betreiben sondern zu erklären in welcher Rolle Stecken Journalisten drin.

00:06:08: Journalisten arbeiten unter Zeit, Druck und zwar immer!

00:06:13: Sie reduzieren Komplexität – das ist ihre ureigene Aufgabe.

00:06:19: Und wichtig sie suchen Geschichten.

00:06:24: Man könnte schon sagen erst kommt die Story und dann die Suche nach der Wahrheit.

00:06:30: Das will ich jetzt nicht jedem Journalist unterstellen.

00:06:34: Dennoch müssen sie damit sie ihre Formate auf den jeweiligen Kanälen bespielen können, immer in Geschichten denken.

00:06:45: Die Geschichte entsteht vor der Einordnung im Kopf.

00:06:52: Warum Plausibilität gefährlicher ist als Unwahrheit?

00:07:00: Darüber würde ich gerne im nächsten Schritt ein paar Impulse mitgeben.

00:07:05: Also, inwiefern braucht es denn Erzählungen?

00:07:08: Und inwiefer müssen Erzählungen plausibel sein.

00:07:11: Plausible Erzählung im Sinne des Storytellings setzen sich fest im Kopf und lassen sich schwer wieder korrigieren.

00:07:20: Deshalb ist eine Geschichte die ein Journalist aufgeschrieben hat Die veröffentlicht worden ist dann sofort in den Köpfen drin und schwierig wieder rauszukriegen.

00:07:34: In einer Krisenkommunikation ist es leider Gottes auch so.

00:07:37: der Verdacht ersetzt den Beweis.

00:07:41: In der Krise reichs Plausibilität, also ist das denn nachvollziehbar was ich jetzt gerade über ein Unternehmen aufgeschrieben habe als Journalist und kann der Leser das denn plausibel verarbeiten?

00:07:55: Damit habe ich eine eigene Wahrheit gesetzt!

00:08:02: Das ist auch jetzt der Schlüsselpunkt darüber nachzudenken inwiefern Schweigen als Schuldeingeständnis gelesen werden kann.

00:08:16: Wenn wir wissen, dass der Journalist eine Geschichte zu schreiben wird und es immer jemanden finden wird, der was dazu sagen kann so ein Thema ob er Ahnung davon hat oder nicht ist zweitrangig weil es geht um die plausible Erzählung dann müssen wir aufpassen das Schweigen nicht immer wirklich neutral wirkt.

00:08:37: Es wird interpretiert Es erzeugt eine Schuldvermutung und ich weiß, dass ich vor wenigen Episoden gesagt habe das Schweigen oft Gold ist.

00:08:50: Aber wir müssen in der jeweiligen Situation immer wieder neu bewerten und vor allem individuell bewerten.

00:08:59: Wann schweige ich?

00:09:01: Und wann äußere ich mich?

00:09:06: Nämlich wenn nicht Äußere entstehen Deutungslücken!

00:09:12: Die wird jemand füllen und die wird jemand Füllen, ob er Ahnung hat von meinem Thema oder nicht.

00:09:21: Der Hintergrundkenntnisse hat oder nicht?

00:09:23: Entscheidend ist nur... Er sagt was!

00:09:27: Und Journalisten verwenden es.

00:09:29: Denn Krisen sind für Medien ein Alltagsgeschäft.

00:09:34: Journalistinnen befassen sich mit Krisen jeden Tag.

00:09:39: Für Unternehmen, Organisationen sind Krisen Ausnahmesituationen, oft auch emotionale oder meistens immer emotionale Ausnahmesituationen.

00:09:52: und aus dem Grund können Unternehmer mit solchen Krisen die für Journalisten Alltagsgeschäft sind auch deutlich schwieriger umgehen.

00:10:04: Wer diese Logik nicht versteht verliert Kontrolle über die Deutung.

00:10:09: Wer Wahrnehmung also nicht steuert wird von ihr gesteuert.

00:10:14: Wer Wahrnehmung nicht steuert, wird von der Wahrneemung gesteuern.

00:10:19: und diesen Denkimpuls den will ich dir heute in dieser Episode mitgeben dass du dich nicht fragst was ist wahr sondern das du dich fragst.

00:10:33: Was wird gerade für wahr gehalten?

00:10:38: Wenn Du in einer Solchen Situationen bist, dann empfehle ich dir sehr und lege dir ans Herz, dir jemandem dazu zu ziehen der wie folgt arbeitet.

00:10:49: An der Schnittstelle von Fakt-und Wirkung dort wo Deutung zur Realität wird und der weiß wie es ist wenn sich Narrative festigen.

00:11:02: umso wichtiger ist es proaktiv vorzugehen und selbst die plausible Erzählung zu liefern.

00:11:12: Die muss aber krisensicher sein und das ist auch genau mein Einspruch, wenn ich in solchen Krisenkommunikationen unterwegs bin nämlich Ordnung in die Wahrnehmung zu bringen und zu gucken an welcher Stelle kann ich denn die Wahrnemung wie beeinflussen?

00:11:33: Und Schaden begrenzen bevor er zum Fakt wird.

00:11:39: schließen Will ich mit einem Denkimpuls und wünsche jetzt schon viel Freude beim Nachdenken, nämlich Wahrheit schützt nicht vor Krise.

00:11:53: Wahrnehmung entscheidet über ihren Verlauf!

00:11:57: Wer das ignoriert kommuniziert an der Realität vorbei.

00:12:03: Wer Verantwortung trägt braucht Menschen die Klartext reden.

00:12:08: im Impact Leaders Club Treffen sich Unternehmerinnen und Unternehmer und Führungskräfte für ehrliche Gespräche und starke Verbindungen.

00:12:19: Mehr über uns unter impactleaders.club.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.